Produktion 2012/2013

Das Erbe der Narren
Heilbronner Stimme 31.Oktober 2012 Wüstenrot - Auf dem Land hier ist die Welt klein im Gegensatz zur Stadt. Und wir sind offen für klassisches, modernes und historisches Theater", sagt Martin Herrmann. Also für alles. Folglich passt der Namen für das neue Wüstenroter Ensemble: "Das kleine Welttheater? von hier." Und das spielt in der kleinen Welt zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall, so der Regisseur. Am Freitag, 2. November, um 19.30 Uhr in der Schwäbischen Waldhalle ist doppelte Premiere mit "Das Erbe der Narren". Anspruchsvolles Theater verspricht der Autor der "Räuber aus dem Mainhardter Wald" mit dem einzigen Bühnenstück von Michael Ende. "Das ist ein sehr schönes kulturelles Angebot", wirbt der 68-Jährige. Und macht weiter Appetit: "Es ist ein Stück mit wunderbarem psychologischem Hintergrund und abtrünnigem Humor." Zwar eine Komödie, aber eine Schwarze. Ein Level Für das Premierenstück, das auch am Samstag, 3. November, um 19.30 Uhr in der Waldhalle gegeben wird, hat Herrmann eine "ganz tolle Truppe" zusammen, meint Mitspielerin Anna Katharina Vogt. Sechs Laiendarsteller mit großer Erfahrung, sechs Neulinge, die zusammengewachsen seien, ergänzt die Ärztin an der Klinik Löwenstein. "Es sind alle auf einem Level", sagt Herrmann. "Der Reiz war da, aufgrund des fortgeschrittenen Alters sich geistig zu betätigen, Text zu lernen", erklärt Klaus Finkbeiner (60), warum er mitmacht. Im Ruhestand hat Helga Luithle jetzt Zeit, sich diesem Hobby zu widmen. Herrmann hat für die Wüstenroterin die passende Rolle - der Baronin und Zirkusdirektorin. Jetzt scharren alle schon mit den Hufen, meint Vogt lachend. Nach einem Jahr Proben wollen sie endlich vor Publikum spielen. Die Generalprobe ist vielversprechend gewesen. "Theater ist cool", hat es Lob sogar von jugendlichen Zuschauern gegeben. "Wir sind gut", sagt der Regisseur aus Großerlach-Grab selbstbewusst, "fast professionell. Es fehlt noch ein bisschen an der Sprache und Geschwindigkeit". Und daran wird beim Treffen am Dienstagabend noch gefeilt.
Für eine kleine Welt ein kleines Theater
Wenn die Masken fallen Es sind Schauspieler aus dem Raum Hall/Mainhardt und sie sind alle Amateurschauspieler. Bei der Aufführung ihres ersten Stücks "Das Erbe der Narren" hat man davon allerdings nicht viel gemerkt. Es gehört viel Mut dazu, als Premiereaufführung das Stück "Das Erbe der Narren oder die Spielverderber", eine "dramatische Psycho-Komödie" von Michael Ende, zu inszenieren. Regisseur und Buchbearbeiter Martin Herrmann hat es mit seinem Ensemble "Das kleine Welttheater . . . von hier", einer ambitionierten Amateurschauspielgruppe trotzdem getan. Warum mutig? Weil der Autor Michael Ende dieses Stück für zwölf Charakterrollen geschrieben hat und ein Ensemble wie "Das kleine Welttheater" mit insgesamt nur 16 Mitgliedern nicht die Möglichkeit hat, bei der Besetzung groß auszuwählen. Um es vorneweg zu nehmen: Qualität und Leistung der Schauspieler gingen weit über das hinaus, was man von einer Amateurgruppe erwarten darf. Das Stück selbst ist für Michael Ende ("Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer", "Die unendliche Geschichte") eher untypisch und wurde wegen der aufwendigen Ausstattung bisher kaum aufgeführt. Regisseur Martin Herrmann, bekannt vor allem als Autor und Regisseur des Stückes "Die Räuber vom Mainhardter Wald" reduzierte diese Unwegsamkeiten auf ein Minimum, indem er die Schauspieler, die gerade nicht agieren, als marmorierte Statuen in das Bühnenbild einbezieht. Zugegeben, eine gewöhnungsbedürftige aber am Ende geniale Idee, weil das Publikum über die gesamte Aufführung hinweg alle Schauspieler im Blick hat. Das Stück selbst handelt von zwölf Menschen, die sich in einem vor Reichtum strahlenden Palast treffen, um eine Erbschaft anzutreten. Keiner kennt den anderen und niemand weiß, wer der Erblasser ist. Dennoch täuschen sie einander vor, mit ihm bekannt gewesen zu sein. Ein Notar händigt jedem Erben seinen Erbanteil in Form eines Zettels aus, dessen Beschriftung keinen Sinn ergibt. Bevor das Erbe angetreten werden kann, ist eine Bedingung zu erfüllen: Alle Zettel müssen zusammengelegt werden, sodass die Botschaft erkenntlich wird. Kaum halten die Erben ihre Anteilszettel in Händen, beginnt das Misstrauen: Intrigen werden gesponnen, Vorteile berechnet, Missgunst und Gier nehmen überhand und steigern sich zu einer allzumenschlichen Komödie, die in würdelosem Chaos ihr Ende findet. Auch der Palast verliert kontinuierlich an Glanz und wird letztlich zum Gefängnis. Mit diesem nur wenig bekannten Bühnenstück ist Michael Ende eine meisterhafte Groteske gelungen. In ihrem Glauben an ihre eigene Aufrichtigkeit, ihre Integrität, ihre in Unschuld gewaschenen Hände lässt Ende seine Figuren Dinge tun, die so grausam wie lächerlich sind. Martin Herrmann selbst spielt in dem Stück den Hausdiener Anton Butt und erinnerte dabei stark an den Diener James in "Dinner for one", allerdings weniger tollpatschig als vorausblickend. Volker Schäfer verkörperte einen Versicherungsdirektor, dem es wie seiner Frau Elsbeth (Bettina Kamischke) nur um den Gewinn geht. Ärger macht seine Tochter Ninive (Anika Oßwald), die der elitären Erziehung zu entkommen sucht, indem sie permanent lügt. Die etwas überhebliche Dompteuse Alexandra von Xanadu (Helga Luithie) ahnt schon früh das Urteil, während General Mebus (Markus Schweer) eine Einigung mit der Waffe sucht. Leidtragender der Geschichte ist Sebastian Nothaft (Timo Köhler), der sich in Ninive verliebt, am Ende aber vom General erschossen wird. Die hyperaktive Lehrerin Klara Dunkelstern (Gabi Diether), der Zuchthäusler Jakob Nebel (Klaus Finkbeiner), das naive Dienstmädchen Paula Olm (Dorothea Glück) und die blinde Bäuerin Anna Fenris (Anna Katharina Vogt) vervollständigen die Liste der beteiligten Personen. Bleibt noch der Notar Dr. Leo Arminius Konrad Schnell), der am Ende einen Meineid schwört. Letztendlich beendet ein selbst gelegtes Feuer alle Träume. Langanhaltender Beifall belohnte die Künstler für ihre äußerst gelungene Aufführung, die nur einen kleinen Wermutstropfen hatte: Die Aufführung hätte weitaus mehr Besucher verdient gehabt.
Südwest Presse 21.November 2012
Südwest Presse 15.Januar 2013 Die Gier führt in den Untergang Von Elisabeth Klaper Noch sind alle voller Erwartung: Notar Leo Arminius verkündet die Bedingungen für die vermeintliche, spätere Testamentseröffnung. Doch zu dieser wird es nie kommen. Foto: E. Klaper MURRHARDT. Ein absolut spannendes Theatererlebnis bescherte das Amateurschauspieler-Ensemble „Das kleine Welttheater von hier“ zahlreichen Murrhardter Kulturfreunden mit der Aufführung der hochdramatischen Groteske „Das Erbe der Narren oder die Spielverderber“ von Michael Ende unter der Regie von Martin Herrmann in der Murrhardter Festhalle. Voller Engagement und Spielfreude führten die Mitwirkenden aus der Theaterlandschaft Schwäbisch Hall/Heilbronner Land dem Publikum drastisch vor Augen, wie die Gier nach Reichtum vernünftige Menschen in würde- und skrupellose Fieslinge verwandelt. Überzeugend verkörperten sie die Figuren ganz unterschiedlichen Charakters und schufen eine unheimliche, bedrohliche Atmosphäre aus Angst, Misstrauen und Aggressionen. Mit sicherem Gespür für die Darstellung von Gefühlen erzählten sie die bizarre Geschichte, in der Johannes Philadelphia, ein unbekannter, mysteriöser Wohltäter, zehn Fremden sein Erbe zukommen lassen will. Keiner ahnt, dass der Verstorbene sie mit einem perfiden Spiel entlarvt, in dem sich alle zu Narren machen. Auf ein Vermögen hoffend, versammeln sich die potenziellen Erben im prächtigen Palast des Erblassers, wo sie dessen Freund und schrulliger Hausmeister Anton Buldt (Martin Herrmann) empfängt. Der pflichtbewusste Notar Dr. Leo Arminius (Konrad Schnell) händigt ihnen Zettel aus mit unverständlichen Texten. Er erklärt, das seien ihre Anteile, die sie nur richtig zusammenfügen müssen, um zu erfahren, was jeder bekommt, dann folge die Testamentseröffnung. Aber zu dieser kommt es nie: Obwohl Buldt und Arminius alle ermahnen, vernünftig zu sein und zusammenzuarbeiten, nicht zu lügen und zu betrügen, beginnen die egoistischen Erben mit einem gemeinen Ränkespiel. Versicherungsdirektor Egon S. Gerion (Volker Schäfer) wittert das große Geschäft und verspricht den anderen hohe Summen, wenn sie ihre Anteile an ihn übertragen. Flugs versichert er den Palast, dessen Wert er auf 10 Millionen Euro taxiert, und spekuliert darauf, dass die Versicherungssumme fällig wird. Auch der ungeduldige, autoritäre General Markus Schweler (Harald Mebus) will das Heft in die Hand nehmen. Er nimmt der stolzen Baronin, Pferdenärrin und Dompteuse Alexandra von Xanadu (Helga Luithle) ihr Gewehr ab und zwingt damit die übrigen, ihm zu gehorchen. Dann löst sich versehentlich ein Schuss, der den idealistischen Träumer Sebastian Nothaft (Timo Köhler, auch Geräuschtechnik) tödlich trifft. Sebastian hat sich in die schöne Lügnerin und Elternhasserin Ninive Gerion (Anika Oßwald) verliebt, was ihre übersensible Mutter Elsbeth Gerion (Bettina Kamischke) schockiert. Bevor Sebastian stirbt, verrät der Notar ihm die Wahrheit über das Testament. Verzweifelt ruft der Sterbende alle auf, einander ohne Angst und Misstrauen zu helfen, doch vergebens: Der Notar schwört einen Meineid, er habe nichts verraten, will alle Beweise dafür vernichten – und zerreißt das Testament. Nur die blinde, frustrierte Bäuerin Anna Fenris (Anna Katharina Vogt, auch Regieassistenz) durchschaut das Spiel: Das Erbe sei ein großer Schwindel, sagt sie. Die obergescheite Lehrerin Klara Dunkelstern (Gabi Diether) betrachtet Fenris als Vertrauensperson und gibt ihr ihren Zettel, ebenso das einfältige Dienstmädchen Paula Olm (Dorothea Glück). Plötzlich tauchen Zettel auf, die einige Anwesende als Universalerben bezeichnen, und der zwielichtige, listige Zuchthäusler Jakob Nebel (Klaus Finkbeiner) wird verdächtigt, sie gefälscht zu haben. Je mehr die Erben lügen und betrügen, gegeneinander intrigieren und streiten, desto stärker verändert sich die Welt um sie herum und wird zum apokalyptischen Alptraum. Der Palast scheint lebendig zu sein und der Geist des Verstorbenen noch immer darin zu wohnen. Er erzeugt unheimliche Geräusche wie lautes Atmen, Echos oder zuschlagende Türen. Verärgert über das unwürdige Verhalten der Erben verwandelt er den Palast in ein Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Pracht zerfällt, Türen und Fenster verschwinden, aus Ordnung wird Chaos, überall liegt Müll herum, und auch die Erben werden immer schäbiger. In der dramatischen Schlussszene bricht Feuer aus, alle schreien wild durcheinander und bezichtigen sich gegenseitig, schuldig zu sein an ihrem Unglück. Gerion glaubt, er könne alle Eingeschlossenen retten, doch wirft er sich vergeblich gegen die Wände…. Mit starkem Beifall dankten die Zuschauer den Mitwirkenden für ihre stimmige Präsentation des komplexen Stücks. Mit Bravour gestalteten sie Handlung und Charaktere, deren Emotionen und Verwandlungen, schwierige Szenen und verzwickte Situationen. Mit minimaler Bühnenausstattung erzeugte das Ensemble die Illusion des zerfallenden Palastes. Hans-Günther (Felix) Schütt schuf mit Geräuscheffekten, Karl-Heinz Kuntzi mit passender Beleuchtung eine unheimliche, spannungsgeladene Atmosphäre.
Sulmtal.de 7.Februar 2013 Löwenstein Das KleineWeltTheater spielte „Das Erbe der Narren“ Sehr gut besucht war die Vorstellung „Das Erbe der Narren“ von Michael Ende in der Löwensteiner Alten Kelter, wo das Amateur-Ensemble ‚ KleineWeltTheater…von hier‘ zum Abschluss seiner Tournee durch Hohenlohe Station machte. Mit dem bisher nur wenig bekannten Stück ist dem Erfolgsautor Michael Ende eine „meisterhafte, mystische Groteske“ gelungen, steht es im Programm zu lesen. Der Inhalt ist rasch erzählt: 12 Menschen treffen in einem vor Reichtum strahlenden Palast aufeinander. Keiner kennt den anderen und doch sind alle eingeladen, eine Erbschaft anzutreten. Den Erblasser kennt niemand und doch geben alle vorsichtshalber vor, mit ihm bekannt gewesen zu sein. Der Notar händigt jedem einen Zettel aus, dessen Beschriftung keinen Sinn ergibt. Die Bedingung, bevor das Erbe angetreten werden kann, lautet: Alle Zettel müssen zusammengelegt werden. Nur so kann die Botschaft im Ganzen erkennbar werden. Misstrauen, Intrigen und Übervorteilungen kommen zutage. Missgunst und Gier nehmen überhand, was zwangsläufig im Chaos endet. Aller Glanz und Prunk geht verloren und der Palast wird zu einem ausweglosen Gefängnis. Die Botschaft kommt beim Zuschauer an: „Das ist keine Komödie. Hier wird einem der Spiegel vorgehalten.“ Michael Ende führt vor Augen, wie leicht man Gefangener des eigenen Seins ist. Regisseur Martin Herrmann (er ist auch Regisseur der „Räuber vom Mainhardter Wald“) bearbeitete das schwer spielbare Stück so, dass es in unsere moderne Zeit passt. Die gerade nicht agierenden Schauspieler sind marmorne Statuen auf der Bühne. Der sukzessive Verfall dieser Statuen ermöglicht es dem Zuschauer, den mystischen Zerfall des Palastes nachzuvollziehen. Somit kann das Publikum auf der Bühne miterleben, was sich sonst hinter dem Vorhang abspielt. Eine unsägliche Menge an Requisiten, Dekorationen, Bühnenbildern und Kostümen bleibt dem Ensemble durch diese Reduktion erspart. Die Schauspieler prallen in all ihrer menschlichen Bedingtheit, mit niedrigen Instinkten und heeren Idealen, aufeinander. Die Zuschauer belohnten die Schauspieler mit stehendem Applaus für die gelungene Inszenierung. Vor und nach der Aufführung sowie in der Pause sorgten die Löwensteiner Blumenfrauen für eine ausgezeichnete Bewirtung.
DASKleineWeltTHEATER…von hier (2016)

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